Dienstag, 15.05.2018
12:45 Uhr

Umgang mit alten Patienten (12:45 – 14:15 Uhr)

Prof. Dr. Frauke Müller, Genf
14:15 Uhr Kurs: F

Kursübersicht
Der alte Patient stellt den Zahnarzt und sein Team vor besondere Herausforderungen. Ältere Menschen haben noch oft das „Weisskittelsyndrom“, und trauen sich nicht ihre Probleme beim Zahnarzt anzusprechen. Die Rolle der Praxismitarbeiter(innen) ist in der Betreuung älterer Personen daher besonders wichtig, da ältere Menschen ihr oft mehr Informationen anvertrauen als dem Zahnarzt. Die Praxismitarbeiter können darüber hinaus aus vielerlei Hinsicht Hilfe leisten. Beschreiben des Weges zur Praxis, Ausfüllen der Anmeldeformulare, Erklären von Kostenvoranschlägen, Hilfe bei Mobilitätseinschränkungen können in der zahnärztlichen Behandlung älterer Personen ein wichtiger und hilfreicher Baustein sein. Das wohl attraktivste an der Betreuung älterer Patienten ist die Dankbarkeit und der menschlich nette Kontakt. Die sozialen Aktivitäten werden im Alter oft seltener, so dass der Zahnarzt und sein Team oft zum „Sozialpartnern“ werden. Diese oft freundschaftlichen Begegnungen bereichern ganz sicher den Arbeitsalltag. Natürlich können alte Patienten mit entsprechender Pathologie auch schon einmal aggressiv reagieren oder zubeissen – das muss man dann mit einem Schmunzeln hinnehmen. Aber auch fachlich ist das Praxisteam gefordert: durch eine immer länger erhaltene natürliche Bezahnung ist die Mundhygiene nicht mehr damit getan eine Totalprothese in ein Wasserglas mit Sprudeltablette zu tauchen. Das teilbezahnte Gebiss weist durch Gingivarezessionen sowie festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz oft Nischen für Speisereste und Plaque auf und bedarf spezieller Hilfsmittel und Techniken der Reinigung. Aber gerade diese werden vom älteren Patienten oft nur schwer beherrscht. Verminderter Visus, Tast- und Geruchssinn erschweren das Erkennen von Plaque und Speiseresten. Die abnehmende manuelle Geschicklichkeit stellt eine zusätzliche Herausforderung da, die jedoch meist mit entsprechenden Tipps und Tricks gemeistert werden kann. Kritisch ist auch die Motivation des älteren Patienten, die erlernten Mundhygienetechniken regelmässig anzuwenden, speziell wenn andere, in den Augen des Patienten wichtigere Probleme zu meistern sind, oder Einsamkeit, Depression und Demenz zur Vernachlässigung der Körperhygiene führen. Dabei ist eine gute Mundhygiene für alte Patienten besonders wichtig: die Risiken von Lungenentzündungen durch aspirierte Bakterienflora aus dem Mundraum, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen durch orale Infektionen rücken zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

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